Lachman-Test

Klinisch, mechanisch und radiologisch – ein Vergleich

Im Rahmen einer Nachuntersuchung von 30 Patienten wurden die verschiedenen Methoden der klinischen, mechanischen und radiologischen Lachman-Untersuchung auf ihre Vergleichbarkeit evaluiert.

Erschienen in „Acta Chir. Austriaca“, Supplement Nr. 120

Die Auswertung der maschinellen Werte zeigte eine deutliche Abhängigkeit der Seitendifferenz von der Belastung mit der gemessen wurde, Die radiologische Untersuchung zeigte unterschiedliche Werte bei aktiver Quadrizepsanspannung und passiv gehaltener Röntgenaufnahme. Bei den passiven Aufnahmen erhält man einen durchschnittlich 100% höheren Wert, der eher der tatsächlichen Lagerung entspricht. Wir glauben daher, daß die passiv gehaltene Aufnahme als „Golden Standard“ zu bezeichnen ist.

Ziel dieser Arbeit war es, die verschiedenen Methoden der klinischen, mechanischen und radiologischen Lachman-Untersuchung hinsichtlich der Vergleichbarkeit der dabei gewonnenen Werte zu untersuchen. Die Studie wurde im Rahmen einer Nachuntersuchung von 30 Patienten, bei denen eine offene Reinsertion des vorderen Kreuzbandes vorgenommen worden war, durchgeführt. Der Abstand zur Operation betrug im Durchschnitt 10,2 Jahre. Bei allen Patienten wurden verletztes und unverletztes Kniegelenk in einer Beugestellung von 20 bis 30E nach folgendem Schema untersucht:

  1. Klinischer Lachman-Test durch einen routinierten Untersucher.
  2. Mechanische Stabilitätstestung (2) mit dem KT 2000. Die Gelenklinie wurde markiert und die Maschine darauf eingestellt. Auf eine gute Entspannung der ischiokruralen Muskulatur wurde großer Wert gelegt, Getestet wurden vordere Schublade bei ?, 20 lb mit händischer Maximalkraft und Schublade bei aktiver Anspannung des M. quadriceps.
  3. Röntgenbilder (4) bei aktiver Quadrizepsanspannuna und passive, gehaltene Aufnahmen, Die Differenz zwischen unverletzter und verletzter Seite wurde gebildet.

Die Auswertung der maschinellen Werte zeigte eine deutliche Abhängigkeit der Seitendifferenz von der Belastung, mit der gemessen wurde. Bei 15 lb wurden im Schnitt 1,2 mm, bei 20 lb 1,8 mm, beim aktiven Anspannungstest 2,5 mm, und beim manuellen Maximalkrafttest wurden im Schnitt 3,2 mm Seitendifferenz gemessen.

Die beim klinischen Lachman-Test erhobenen Werte wurden in Millimeter und nicht in +positiv angegeben, Dadurch konnte eine bessere Vergleichbarkeit mit den radiologischen und maschinellen Messungen erzielt werden, Es ergab sich zwischen operierter und nicht operierter Seite eine durchschnittliche Differenz von 4,6 mm.

Wie von Aglietti (1) bei einer Nachuntersuchung von Patienten nach Kreuzbandplastik publiziert, wird eine Seitendifferenz bei der KT-1000/2000-Messung von 5 mm als zufriedenstellend und eine Seitendifferenz von 3 mm als im Bereich der Norm angesehen. Dadurch liegen die von uns erhobenen Ergebnisse mit einer Seitendifferenz von 3,2 mm im Durchschnitt nahezu im Normbereich.

Die radiologische Untersuchung zeigte jedoch durchschnittlich 3,2 mm Verschieblichkeit bei der aktiven Quadrizepsanspannungsaufnahme und 6,6 mm bei der passiv gehaltenen röntgenologischen Lachman-Aufnahme. Die maschinelle Testung ergab eine konstant um etwa 100% niedrigere Seitendifferenz, wenngleich die Werte proportional zur angewandten Kraft ansteigen.

Wenn, wie von Kdolsky (3) gefordert, eine Nachuntersuchung nach Kreuzbandchirurgie immer einen KT-1000-Test enthalten sollte, um international vergleichbar zu sein, so sind die dabei gewonnenen Ergebnisse kritisch zu betrachten.

Bei den passiven Röntgenaufnahmen erhält man einen durchschnittlich 100% höheren Wert, der eher der tatsächlichen Lockerung entsprechen dürfte, Wir würden daher die passiv gehaltene Röntgenaufnahme als „goldenen Standard“ bezeichnen. Die klinische Untersuchung kommt der radiologischen passiv gehaltenen Aufnahme näher als die KT-1000/2000-Untersuchung. Zwischen klinischem Befund und Röntgenbild besteht zusätzlich eine signifikante Korrelation (p = 0,001).

Sollte man auf die passiv gehaltene Röntgenaufnahme aus Gründen der Strahlenhygiene verzichten wollen, so erhält man die zuverlässigsten Ergebnisse beim Lachman-Test durch einen routinierten Untersucher. Die maschinelle Untersuchung mit dem KT 1000/2000 sollte nur mit dem sogenannten „Manual-Maximal-Test“ durchgeführt werden, führt jedoch zu einer Beschönigung der Resultate nach Kreuzbandchirurgie.

Literatur

  1. Aglietti P, Buzzi R, D’Andria S, Zacharotti G: Long term study of anterior cruciate ligament reconstruction for chronic instability using the central one-third patellar tendon and a lateral extraarticular tenodesis. Am 1 Sports Med 1992;20 (11:38-45.
  2. Daniel DM, Stone ML, Sachs R, Malcolm L: Instrumented Measurement of anterior Knee Laxity in patients with acute anterior cruciate ligament disruption, Am 1 Sports Med 1985;13:401-407.
  3. Kdolsky P, Kwasny 0, Schabus R: Bedeutung der Stabilitäts- und Funktionsmessung in der Kreuzbandchirurgie. Akt Traumatol 1992;22:123-125.
  4. Pässler HH, März S: Der radiologische Lachtman-Test – eine einfache und sichere Methode zum Nachweis von Kreuzbandschäden, Unfallchirurgie 1986:12:295-300.