Kniegelenk
Knieschmerzen durch Arthrose oder Verletzungen schränken den Alltag ein. Eine präzise Diagnose ist der erste Schritt zurück zu schmerzfreier Mobilität.

Im Gegensatz zur Hüfte wird das Knie kaum durch die knöcherne Form, sondern fast ausschließlich durch Bänder und Muskeln stabilisiert. Das macht es anfällig für ein komplexes Zusammenspiel der folgenden drei Verletzungsarten.
1. Bänderverletzungen (Ligamentäre Instabilität)
Da das Knie große Hebelkräfte aushalten muss, sind Bänderrisse häufige Sportverletzungen (z. B. beim Skifahren oder Fußball).
Kreuzbänder: Der Riss des Vorderen Kreuzbandes (VKB) ist der Klassiker. Er entsteht oft durch eine Drehung des Knies bei feststehendem Fuß. Die Folge ist eine Instabilität: Das Schienbein rutscht nach vorne weg („Give-way“-Gefühl).
Seitenbänder: Das Innenband ist fest mit dem Meniskus verwachsen und reißt oft bei X-Bein-Stress. Das Außenband ist seltener betroffen.
Folge: Ohne straffe Bänder „schwimmt“ das Gelenk, was den Knorpel extrem belastet.
2. Knorpelverletzungen (Meniskus & Gelenkfläche)
Im Knie muss man zwischen zwei Knorpelarten unterscheiden: den „Stoßdämpfern“ (Menisken) und dem „Gleitbelag“ (hyaliner Knorpel).
Meniskusschäden: Die Menisken gleichen die Unebenheit zwischen Oberschenkel und Schienbein aus. Risse entstehen traumatisch (z. B. zusammen mit dem Kreuzband) oder degenerativ (Verschleiß). Ein eingerissener Meniskus kann als „Lappen“ im Gelenk umherschlagen.
Knorpelschäden (Chondrale Defekte): Schläge auf das Knie oder chronische Instabilität führen zu Rissen oder Absplitterungen („Flakes“) im Gleitknorpel. Heilen diese nicht, reibt Knochen auf Knochen (Arthrose).
3. Impingement (Einklemmungssyndrom)
Impingement am Knie bedeutet, dass Weichteilstrukturen zwischen den Gelenkpartnern eingeklemmt werden und Schmerzen, oft vorne am Knie, verursachen.
Plica-Syndrom: Eine verdickte Schleimhautfalte (Plica mediopatellaris) im Gelenkinneren scheuert bei Beugung/Streckung am Knorpel oder klemmt ein.
Hoffa-Impingement: Der Fettkörper unterhalb der Kniescheibe (Hoffa-Fettkörper), der eigentlich als Polster dient, entzündet sich und schwillt an. Bei Streckung des Knies wird er schmerzhaft eingeklemmt.
Zyklops-Syndrom: Eine spezielle Form nach Kreuzband-OPs. Narbengewebe bildet einen knollenartigen Wulst (Zyklops) am neuen Kreuzband, der die volle Streckung des Beins mechanisch blockiert.
Meniskus-Blockade: Ein abgerissener Teil des Meniskus (Korbhenkelriss) klappt in den Gelenkspalt und blockiert das Knie schlagartig („Gelenksperre“).
Der Zusammenhang (Unhappy Triad): Das Knie zeigt oft eine unglückliche Kettenreaktion, die „Unhappy Triad“ genannt wird: Bei einem schweren Verdrehtrauma reißen gleichzeitig das Vordere Kreuzband und das Innenband, und der Innenmeniskus wird beschädigt. Die Instabilität der Bänder führt zu Meniskusschäden, und ausgefranste Menisken oder Schleimhautfalten führen zu Einklemmungen (Impingement)
